24. Mär 2026
Alle fünf Klassen des 9. Jahrgangs begeben sich auf Spurensuche in Hamburg-Bergedorf.
Ein ungewöhnlich sonniger Montag begleitete den 9. Jahrgang unserer Schule auf einen Ausflug, der nachdenklicher stimmte, als das frühlinghafte Wetter vermuten ließ. Mit fünf Bussen fuhren alle Klassen gemeinsam zur KZ-Gedenkstätte Neuengamme – ein Besuch, der fest im Lehrplan verankert ist und den Schülerinnen und Schülern einen unmittelbaren Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus ermöglichen soll.


Pünktlich um 9:30 Uhr begannen die Führungen. Aufgeteilt in Klassen erkundeten die rund 130 Jugendlichen das weitläufige Gelände unter der Leitung von Gedenkstättenführerinnen und -führern – mit spürbaren Unterschieden: Manche Guides verstanden es besonders gut, die Geschichte lebendig und greifbar zu machen, andere wählten einen sachlicheren, dokumentarischen Ansatz. Beide Zugänge hatten ihren eigenen Wert.


Drei Stationen hinterließen bei vielen Schülerinnen und Schülern einen besonders tiefen Eindruck. Da war zunächst der originale Eisenbahnwaggon auf dem Gelände – ein stilles, aber eindringliches Zeugnis der Deportationen, vor dem man sich den Schrecken des Transports besonders gut vorstellen konnte.
„Ich wusste vorher einige Dinge, die dort passiert sind – aber hier zu stehen macht es irgendwie real." – Schülerin, Klasse 9c
Besonders berührend war für viele auch der Gedenkraum mit den über 25.000 Namen der in Neuengamme Verstorbenen. Wand für Wand, Name für Name – die schiere Anzahl ließ das Ausmaß des Verbrechens auf eine Weise spürbar werden, die kein Schulbuch ersetzen kann.
Schließlich führte die Führung auch zu dem von Häftlingen gegrabenen Zulaufkanal zur Elbe – ein Ort, der die Zwangsarbeit unter mörderischen Bedingungen unmittelbar vor Augen führt. In das Gelände eingebettet und von außen unscheinbar, wirkt er im Wissen um seine Geschichte umso bedrückender. Die Ziegelsteine, die in Neuengamme für die monumentalen Bauten der Nationalsozialisten gebrannt wurden, fanden von hier aus ihren Weg nach Hamburg. Im Gegensatz zu einigen Ausbrechern, die sich darin einmauern ließen, aber wohl allesamt gefunden wurden - es gibt bis heute kein Zeugnis eines Ausbruchs aus Neuengamme.

Die Rückfahrt verlief ruhiger als die Hinfahrt. Viele saßen nachdenklich an den Fenstern, einige sprachen miteinander über den Besuch. Die begleitenden Lehrkräfte nutzten die Zeit für erste Gespräche – eine Nachbereitung, die in den kommenden Unterrichtsstunden weitergeführt wird. Der Besuch ist bewusst in die laufende Unterrichtseinheit zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs eingebettet und soll nicht isoliert stehen, sondern Teil eines längeren Lernprozesses sein.
Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme erinnert an das größte Konzentrationslager auf dem Gebiet des heutigen Hamburgs, in dem zwischen 1938 und 1945 mehr als 42.000 Menschen ums Leben kamen. Dass dieser Ort nur eine Stunde von unserer Schule entfernt liegt, machte den Besuch besonders eindrücklich. Wir danken den Führerinnen und Führern der Gedenkstätte.
